DIY Masselaufwerk mit Scheu Komponenten

letzte Bearbeitung :  13.02.2011

 

DIY Scheu Laufwerk

 

Inhaltsverzeichnis

 

Einleitung

Ende Dezember 2007 habe ich das Glück gehabt auf Ebay ein DIY Laufwerk auf Basis von Scheu Komponenten zu erstehen. Endlich wurde mein Traum von einem Masselaufwerk wahr.

Das Laufwerk bestand beim Kauf aus den folgenden Komponenten:

Allein die Scheu Komponenten (Teller, Lager & Motor mit Motordose) hatten zu dem Zeitpunkt eine Neuwert von ca. 1100€. Es waren genau die Teile mit denen ich den Bau eines eigenen Masselaufwerkes geplant hatte. Somit erstand ich bei dem Kauf ein funktionierendes Masselaufwerk mit allen Teilen die ich für den eventuellen Bau einer eigenen Basis benötigen würde. Ich konnte also direkt loslegen und erst einmal mit einem funktionierenden Laufwerk Erfahrungen sammeln.

Scheu Komponenten

Scheu Komponenten

zurück an den Anfang der Seite

 

Tonarm & Tonabnehmer

Für mich kommt auf einem Masselaufwerk in erster Linie nur einen 12" Tonarm in Frage. Seit vielen Jahren ist mein Favorit der wundervolle und elegante Mørch DP6. Da ich zu dem Zeitpunkt im Besitz eines Benz Micro ACE L2 Tonabnehmers war und diesen auch auf dem Laufwerk verwenden wollte, habe ich den DP6 mit dem mittelschweren 12" Arm (roter Punkt) geordert – leider mit exorbitanten Lieferzeiten. Im Juni 2008 war es dann aber endlich soweit (siehe unten) – die Kombination DIY Scheu, Mørch DP6 und Benz Micro ACE L2 spielte zum ersten Mal an meiner Anlage eine meiner Lieblingsscheiben (Richard Beirach – EON).

Mørch DP6

12" Mørch DP6 auf meinem DIY Scheu Laufwerk

Mørch DP6

Mørch DP6 mit Benz ACE L2 in Aktion

zurück an den Anfang der Seite

 

Erweiterung des Tellers mit einer Stroboskop-Markierung

Um die Drehzahl des Tellers zu ermitteln ist eine Stroboskopscheibe erforderlich. Ich wollte allerdings von Beginn an diese Scheibe nicht manuell auf den Teller legen sondern sie stationär unter dem Teller anbringen. Benutzt habe ich eine Vorlage von Teres Audio (tif-Datei mit Stroboskop-Scheibe). Ich habe diese tif-Datei auf eine selbstklebende Silberfolie mit einem Laser-Drucker ausgedruckt und anschließend unter den Teller geklebt. Sie hat 54 Markierungen und somit ergibt sich eine Frequenz von 30Hz wenn sich der Teller mit exakt 33 1/3 rpm dreht (40,5Hz bei 45rpm).

Die größte Schwierigkeit ist es die Folie zentrisch auf den Teller aufzubringen. Gelingt dies nicht hat man einen zusätzlichen Jitter in der Rotationsfrequenzmessung der von der Exzentrizität der Stroboskopscheibe herrührt. Um dies zu verhindern habe ich den Innenausschnitt der Folie exakt so groß geschnitten wie den Außendurchmesser der Lagerwanne und sie anschließend bei in den Teller eingesetztem Lager aufgeklebt – die Lagerwanne wurde quasi als Klebeschablone genutzt. Die überstehenden Reste (zum Lager hin) entfernte ich anschließend mit einem scharfen Messer. Diese ganze Prozedur erforderte eine Komplettzerlegung des Laufwerks und ein äußerst penibles arbeiten beim vermessen, ausschneiden und kleben.

Scheu Teller von unten mit aufgeklebter Stroboskopscheibe

Scheu Teller von unten mit aufgeklebter Stroboskopscheibe

Um die Stroboskopscheibe abzutasten habe ich ein Loch in die Granitplatte gebohrt (leider nicht sehr schön anzuschauen – aber man sieht es ja im normalen Betrieb nicht) und einen Reflective Object Sensor Typ OPB730 der TRW Electronic Components Group dort befestigt. In diesem Sensor sind eine Infrarot-Sendediode und ein entsprechender Phototransistor (Darlington npn) als Empfänger integriert. Beide Elemente sind so ausgerichtet das sie nach oben senden und aus der Richtung auch wieder empfangen – genau das was ich an der Stelle benötige.

OPB730 in der Granit-Basis

OPB730 in der Granit-Basis

Während all der Zeit in der ich das Laufwerk im Closed Loop betrieben habe, hat mich die Frage nach der Exzentrizität der Strobe Scheibe beschäftigt. Letztendlich habe ich mich entschlossen eine Scheibe aus schwarz eloxiertem Aluminium zu fräsen.

Unter dem Scheu Teller befindet sich eine 10mm breite Nut die ich für die Zentrierung der Strobe Scheibe benutzt habe. Das Ergebnis der Bemühungen gibt mir Recht – die Regelung verhält sich noch wesentlich ruhiger und greift noch weniger ein – von einer Regelung im eigentlichen Sinne kann man eigentlich nicht mehr sprechen, zu träge reagiert das System auf Änderungen.

Stroboskopscheibe aus Aluminium

Stroboskopscheibe aus Aluminium

zurück an den Anfang der Seite

 

Antriebs-String

Natürlich habe ich das Laufwerk am Anfang mit dem originalen Scheu-String in Betrieb genommen. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase und nachdem die erste Begeisterung verflogen war achtete ich kritischer auf die Wiedergabe. Irgendwie war ich immer ein wenig unzufrieden (z.B. bei langen gleichbleibenden Tönen). Folglich habe ich angefangen mit dem String zu experimentieren – erst einmal variierte ich die Länge und die Spannung des Polyamidfadens – ohne nennenswerte Verbesserung.

Seit Anfang Januar 2009 war die erste Stufe meiner Motorsteuerung fertiggestellt und ich war damit in der Lage exakt die Drehzahl zu messen. Hierbei mußte ich feststellen das sich eine doch merkliche Drehzahlschwankung mit dem Polyamidfaden einstellte (±0,5rpm). Ich habe dann angefangen mit Angelschnüren aus Aramid und Dyneema zu experimentieren – auch hier wieder mit Länge und Fadenspannung. Aber die Ergebnisse waren noch schlechter als mit dem Polyamidfaden.

Ende Januar 2009 bin ich auf die Idee gekommen aus dem Nähkästchen meiner Frau einen normalen Baumwollfaden zu nehmen und ihn als Antriebs-String zu verwenden. Was soll ich sagen, nachdem ich die Fadenspannung so eingestellt hatte das der Motor ein gleichmäßiges Geräusch von sich gab (also nicht ständig nachregelte) – was mir zum ersten Mal auch gut gelang – und ich dann die ersten Töne hörte bin ich total verblüfft gewesen – es stimmte alles!!! Auch die Meßergebnisse waren mit ±0,01rpm das was man von einem schweren Teller mit stabilem Antrieb und einer Stroboskop-Markierung mit (sicherlich) einer kleinen Restexzentrizität erwarten würde.

Der aktueller Abstand Motor- zu Tellerachse beträgt übrigens ca. 385mm.

Resümee
Mein derzeitiger Favorit mit dem Scheu-Motor ist ein einfacher String aus Nähgarn (Baumwolle) !!!

 

In der Zwischenzeit ist mehr als ein Jahr vergangen und ich hatte die ganze Zeit mein Laufwerk mit dem oben beschriebenen Baumwollfaden betrieben. Was mich immer gestört hat war die Dehnung des Fadens, so daß ich sehr oft gezwungen war die Fadenspannung über eine Nachpositionierung des Motors erneut korrekt einzustellen. Ich bin also wieder auf die Suche gegangen und habe mich an eine Empfehlung aus dem AAA Forum gehalten und mir im örtlichen Geschäft für Anglerbedarf einen Faden aus Kevlar besorgt. Da ich allerdings in der Zwischenzeit auch auf den neuen Motor umgestiegen war kann ich leider keine Aussagen mehr in Bezug auf den Scheu Motor machen.

Auf jeden Fall erziele ich mit dem Kevlar String und dem Papst Motor mit Feickert Pulley bessere gemessene Gleichlaufwerte wie die Kombination aus Baumwollfaden mit Scheu Motor. Allerdings muß ich auch sagen das der Scheu Motor sehr empfindlich auf unterschiedliche String Materialien reagiert hat und das sehe ich bei meinem neuen Antrieb nicht.

zurück an den Anfang der Seite

 

www.rstaudio.de