Antiskating

12. Juni 2026

Neben Überhang, Kröpfungswinkel und Spurfehlwinkel spielt auch die sogenannte Skating-Kraft eine entscheidende Rolle bei der korrekten Einstellung eines Plattenspielersystems. Sie entsteht durch die Reibung zwischen Abtastnadel und Schallplattenrille während des Abspielvorgangs. Da der Tonarm aufgrund seiner Kröpfung nicht geradlinig zur Plattenmitte ausgerichtet ist, wirkt die Reibungskraft nicht exakt entlang der Tonarmachse. Dadurch entsteht eine seitliche Kraftkomponente, die den Tonarm nach innen, also zur Plattenmitte hin, zieht.

Diese nach innen gerichtete Kraft wird als Skating-Kraft bezeichnet. Ihre Größe hängt von mehreren Faktoren ab, darunter die Auflagekraft, der Reibungskoeffizient der Schallplatte, die Modulation der Rille sowie insbesondere die Geometrie des Tonarms mit seinem Kröpfungswinkel. Je stärker die Kröpfung und je höher die Auflagekraft, desto größer ist in der Regel auch die auftretende Skating-Kraft.

Wird diese Kraft nicht ausgeglichen, ergeben sich mehrere unerwünschte Effekte. Die Nadel wird dann stärker gegen die innere Rillenflanke gedrückt, wodurch eine ungleichmäßige Belastung der beiden Stereokanäle entsteht. Dies kann zu erhöhtem Verschleiß von Nadel und Schallplatte, Kanalungleichheiten sowie asymmetrischen Verzerrungen führen. Besonders in stark modulierten Innenrillenbereichen wird eine fehlerhafte Skating-Kompensation häufig hörbar.

Zum Ausgleich der Skating-Kraft verfügen Tonarme über eine Antiskating-Einrichtung. Diese erzeugt eine entgegengesetzt gerichtete Kraft, welche den Tonarm leicht nach außen zieht. Technisch geschieht dies je nach Konstruktion beispielsweise über eine Federmechanik, ein Magnetfeld oder ein Gewicht mit Fadenführung. Ziel ist es, die seitlichen Kräfte auf beide Rillenflanken möglichst gleichmäßig zu verteilen.

Die Einstellung des Antiskatings erfolgt meist in Relation zur eingestellten Auflagekraft. Viele Hersteller empfehlen identische Zahlenwerte für Auflagekraft und Antiskating-Einstellung, beispielsweise 2 Gramm Auflagekraft und Antiskating-Stufe 2. In der Praxis stellt dies jedoch nur einen Näherungswert dar, da die tatsächlich auftretende Skating-Kraft von der jeweiligen Schallplatte und der konkreten Tonarmgeometrie abhängt.

Eine präzise Einstellung kann mithilfe spezieller Testplatten oder durch Beobachtung des Abtastverhaltens erfolgen. Ziel ist eine möglichst symmetrische Wiedergabe beider Kanäle ohne einseitige Verzerrungen. Damit bildet die Antiskating-Einstellung einen wichtigen Bestandteil der gesamten Tonarmjustage und ergänzt die geometrische Optimierung von Überhang und Kröpfungswinkel um die dynamischen Kräfte, die während des realen Abspielvorgangs auftreten.


Wenn man sich mit den physikalischen Hintergründen auseinandersetzt (siehe unten), sollte man verstehen, dass eine Abtastung ohne Antiskating keine gute Idee ist. Die Skatingkraft, die den Tonarm nach innen zieht, ist bei einem Drehtonarm ursächlich durch den Kröpfungswinkel bedingt. Ihre Größe hängt vom Nadelschliff und der Auflagekraft ab.

Hilfsmittel

  • Testschallplatte

Die Antiskating-Einrichtung eines Tonarms stellt eine entsprechende Gegenkraft zur Verfügung. Wenn sie korrekt eingestellt ist, wird die Skating-Kraft theoretisch vollständig kompensiert.

Viele Tonarme verfügen über eine Skala an ihrer Antiskating-Vorrichtung. Es wird empfohlen, die Kraft entsprechend der Auflagekraft einzustellen, d. h. sie sollte dem gleichen Wert entsprechen. Aufgrund der Abhängigkeit der Skating-Kraft vom Nadelschliff erfolgt dabei allerdings in der Regel eine falsche Kompensation.

Der Mørch Tonarm verfügt über keinerlei Skala und die Gegenkraft wird durch eine Feder erzeugt.

Nach vielen Versuchen und langen Diskussionen stellen wir heute die Antiskating mithilfe einer Testschallplatte ein. Welche das genau ist, ist dabei nicht wichtig, Hauptsache, sie verfügt über eine breite Leerrille in der Mitte, mit der sich der Test durchführen lässt. Dieser muss selbstverständlich bei drehender Schallplatte erfolgen.

Bild Tonabnehmer auf Testschallplatte mit Leerrille

Lehrbuchmäßig muss die Antiskatingkraft so eingestellt werden, dass sich der Tonarm weder nach innen, noch nach außen bewegt. Er bleibt also idealerweise in der Mitte der Leerrille stehen.

Nach dieser Einstellung verringern wir die Antiskatingkraft ein wenig, sodass sich der Tonarm langsam nach innen bewegt. Dies beruht auf einer Empfehlung des Herstellers unseres Tonabnehmers, mit der wir sehr gute Erfahrungen gemacht haben.


Physikalische Grundlagen

Skatingkraft (Bildquelle unbekannt)

Auf dem Bild oben ist ein Drehtonarm mit gekröpftem Armrohr (schwarze, gepunktete Linien) in zwei Positionen auf der Schallplatte zu sehen. Durch den Abtastvorgang entsteht an der Nadel eine Kraft, die als Ft bezeichnet wird. Diese Kraft wirkt tangential zur aktuellen Position in der Rille (gepunkteter Kreis). Eine gedachte Linie vom Plattenzentrum zum Nadelauflagepunkt steht somit senkrecht auf ihr. Der überwiegende Teil der Kraft Ft wird in den Tonarm geleitet und vom Lager abgefangen. Diese Kraft Fr wirkt in Richtung der grünen Linie. Sie stellt eine gedachte Linie zwischen dem Nadelauflagepunkt und dem Lager des Tonarms dar. Übrig bleibt die Kraft Fs, die das System Tonarm-Tonabnehmer zur Plattenmitte hin zieht. Dies ist die sogenannte Skatingkraft. Die Aufteilung der Kraft Ft in ihre beiden Komponenten Fr und Fs nennt man Kraftvektorzerlegung.

Wie man an den beiden Situationen erkennen kann, ändert sich die Skatingkraft auf dem Weg der Nadel von außen nach innen. Entsprechend muss die Antiskating-Vorrichtung des Tonarms konstruiert sein.

In der Physik und Technik bezeichnet der Begriff Kraftvektorzerlegung (auch Kräftezerlegung genannt) das Aufteilen einer einzelnen, oft schräg wirkenden Kraft in zwei oder mehr Teilkräfte (Komponenten). Die Summe dieser Teilkräfte entspricht in Betrag und Richtung exakt der ursprünglichen Gesamtkraft (Resultierende). Durch die Zerlegung von Kräften kann ihre Wirkung in spezifischen Richtungen analysiert werden.